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NW Herford

Rhein Neckar Zeitung berichtet

Von Anica Edinger

 

Herausforderungen, Balance und Liebe, findet Avi Primor. Anderen Menschen auf Augenhöhe begegnen, meint der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther. Diese Frage mache ihn schlaflos, sagt Hellmuth Karasek. So unterschiedlich die Antworten dieser Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur auch sein mögen – die Frage, die an sie alle gestellt wurde, war die gleiche, nämlich: Was ist wirklich, wirklich wichtig?

Mit diesem Thema beschäftigt sich eine Gruppe aus Studenten und Pädagogen in einem Projekt, dessen Name die Frage selbst ist: „Was wirklich wirklich wichtig ist“. Mit dabei ist auch eine Heidelberger Psychologie-Studentin, die jetzt im RNZ-Gespräch erklärte, warum eben genau diese Fragestellung für unser Leben so essenziell ist und weshalb man sie sich selbst viel öfter – oder mindestens einmal – stellen sollte.

> Sina, wie kamt ihr denn überhaupt auf die Idee, den Menschen ausgerechnet diese Frage zu stellen?

Eigentlich haben Jugendliche selbst angefangen, danach zu fragen. Ich gebe unterschiedliche Seminare für das Bildungsinstitut Stätte der Begegnung e.V. in Vlotho, Nordrhein-Westfalen, wo ich ursprünglich herkomme. Insbesondere Jugendliche ab der Mittelstufe haben die Fragen aufgeworfen: Worauf kommt es im Leben eigentlich wirklich an? Was sind meine Grundwerte nach denen ich leben und wichtige Entscheidungen treffen will? Viele haben zum Beispiel selbst gesagt, dass sie sich so viel mit Facebook beschäftigen oder so überfrachtet mit den schulischen Anforderungen und dem Notendruck sind, dass sie wenig an ihren ganz eigenen Zielen arbeiten und so den Fokus verlieren.

> Den Fokus auf was?

Eben auf das wirklich Wichtige.

> Gibt es denn eigentlich eine echte Antwort darauf, was wirklich wichtig ist?

Jeder muss sich diese Frage individuell beantworten – final beantworten kann man sie vielleicht garnicht. Es ist eher ein Prozess, der sicherlich durch Dinge geprägt ist, die man selbst schon erlebt hat oder die die Familie einem mit auf den Weg gegeben hat. Die Antworten können sich auch ändern. Am Ende sind neben der eigenen persönlichen Antwort vielleicht das Innehalten und die Reflektion über die Frage das Entscheidende.

> Wäre nicht etwa Freiheit eine gute Antwort?

Freiheit mag vielleicht für eine Gruppe besonders wichtig sein und hat natürlich eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Für eine einzelne Person ist es aber eventuell weniger wichtig. Man muss bedenken, dass es sehr unterschiedlich sein kann, was für mich selbst wirklich wichtig ist und auf welche Werte wir uns gesellschaftlich einigen.

> Was ist für dich denn wirklich wirklich wichtig?

Ich selbst erzähle das ehrlich gesagt eher ungerne, weil ich möchte, dass sich die Leute ihre persönliche Meinung bilden, wir als Mitarbeiter möchten die Antworten nicht manipulieren oder lenken. Wir wollen keine finalen Antworten liefern oder fertige Weltbilder verkaufen. Jeder soll sich selbst damit auseinandersetzen. Aber natürlich habe ich meine persönliche Antwort darauf.

> Und was wollt ihr mit dem Projekt erreichen?

Wir wollen einen gesellschaftlichen Diskurs anregen und für die Frage an sich sensibilisieren. Schließlich stellt sie sich bestimmt jeder einmal im Leben. Oft wird die Frage präsent, wenn wir vor großen Entscheidungen stehen oder uns ein Schicksalsschlag plötzlich sehr deutlich macht, dass unser Leben nur begrenzt ist und wir genau überlegen sollten, wie wir es nutzen, wie wir wirklich leben wollen. Und im Anschluss muss ich mich auch fragen, wie kann ich das für mich wirklich Wichtige jetzt umsetzen? Deswegen bieten wir Seminare für Schulklassen, aber auch für Unternehmen und sonstige Gruppen, die die Frage umtreibt, an. Im April wird ein erstes Seminar mit einer Realschule stattfinden, die sich im Rahmen einer Projektwoche zum Thema „Gesundheit“ mit der Frage auseinandersetzen will. Diese Thematik müsste generell in den Schulalltag integriert werden. Man muss den Jugendlichen in einem angemessenen Umfeld die Möglichkeit geben, darüber nachzudenken und mit anderen darüber in einen Dialog zu kommen.

>  Warum fragt ihr ausgerechnet Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben nach ihrer Antwort?

Wir glauben, dass es besonders für junge Menschen sehr spannend sein kann, eine Antwort auf diese existentielle Frage von Menschen zu bekommen, die man aus den Medien kennt, die man vielleicht bewundert und die gleichzeitig manchmal unnahbar scheinen. Außerdem können Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, die Frage natürlich viel einfacher weitertragen. Sie sind super Multiplikatoren für den Diskurs. Aber der Diskurs braucht letztlich jeden einzelnen – jeder kann sich beteiligen! Wir haben schon sehr viele Zuschriften von den unterschiedlichsten Menschen erhalten. Und genau das ist das Ziel: Einen möglichst breiten Diskurs anzuregen, der völlig unabhängig der sozialen Schicht, der Herkunft, des Alters oder sonstiger Einschränkungen stattfindet.  Das ist auch das Tolle an der Frage: Sie kann von jedem beantwortet werden! Die Antworten mögen hoch individuell sein, aber die Frage zu stellen und darüber in einen Diskurs zu treten, hat etwas verbindendes, dass viele Unterschiede aufhebt.

> Ihr habt ja schon viele bekannte Persönlichkeiten nach dem wirklich Wichtigen gefragt. Hat dich persönlich dabei jemand besonders beeindruckt?

Ja, Avi Primor. Den habe ich auf der Frankfurter Buchmesse abgefangen. Als ich ihm die Frage gestellt habe, kamen seine Antworten zack zack, er hat keine Sekunde gezögert.

 

Für Seminaranfragen, Antworten auf die Frage nach dem wirklich Wichtigen oder sonstige Anfragen:

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