Helga Eiden

HelgaEiden© M. van Cook

Das Wichtigste auf Erden sind: die Menschen, die Menschen, die Menschen.

Das wirklich Wichtige auf dem Leineweber

Die Besucher des diesjährigen Leinewebermarktes werden am Nachmittag des 28. Mai auf dem Rathausplatz auf etwas wirklich Wichtiges stoßen. Denn das Bildungsprojekt „Was wirklich wirklich wichtig ist“ von der Stätte der Begegnung aus Vlotho hat etwas Besonderes vor. Jeder, der will, bekommt die Möglichkeit, seine Antwort auf die Frage „Was wirklich wirklich wichtig ist“ in einem riesigen Kreidequadrat auf dem Boden niederzuschreiben. Der kreativen und philosophischen Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Diese Aktion soll darauf aufmerksam machen, dass wir in unserem Alltag nur zu oft das wirklich Wichtige aus den Augen verlieren und viel Energie in Dinge stecken, die für uns nicht von echter Bedeutung sind. Also: Was ist wirklich wirklich wichtig?

Lilly 13 Jahre

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Meiner Meinung nach ist Hoffnung, Liebe und Vertrauen das wichtigste, denn ohne Hoffnung und Liebe würde keiner mehr etwas am Leben finden und Vertrauen hält eine Gemeinschaft zusammen und verbindet Leute miteinander.

Leo 9 Jahre

Leoklein

„Für mich ist es wirklich wichtig, zu essen und zu trinken zu haben und Anziehsachen zu haben und Freunde und Freiheit!“

Bernhard Hoecker, Comedian

„Wirklich wirklich wichtig, insbesondere für die zukünftigen Generationen, ist, sich immer wieder darüber Gedanken zu machen: Was ist jetzt für mich wichtig?

Ich glaube ja, dass auch Geld dazugehört. Wenn ich jetzt so überlege, gibt es sehr viele Situationen, die einen unglücklich machen und die man mit Hilfe von Geld lösen könnte. Das heißt natürlich nicht, dass man mit mehr Geld ein glücklicherer Mensch sein muss oder sich Glück kaufen kann. Aber mal angenommen, man ist arbeitslos und sucht einen neuen Job: Dann ist es grundsätzlich einfacher, ein Polster zu haben, auf dass man zurückgreifen kann. Oder zwei Leute sind gleich krank und der eine, der das Geld hat, kann sich ein Einzelzimmer und ein besseres Mittagessen leisten. Dem geht’s dann besser. Aber ob das wirklich wirklich wichtig ist, das soll derjenige, der sich die Gedanken macht, selber überlegen.

Man stellt fest, dass einem andere Leute oft sagen, was angeblich wichtig ist. Man ist aber selber anderer Meinung. Also ist es sehr naheliegend, dass das, was man selber für wichtig hält, für andere vielleicht überhaupt nicht wichtig ist. Das Entscheidende ist, dass man sich darüber Gedanken macht. Das ist wichtig. Aber selbst, wenn es einen gibt, der nicht darüber nachdenkt, kann der trotzdem glücklich sein.

Man muss irgendwie versuchen, dass die Leute Spaß an Neugierde behalten. Das ist bei mir so. Dadurch kriege ich vielleicht heraus, was für mich wichtig ist. Aber: Wer sagt denn, dass man die Energie sinnlos in Noten vergeudet? Wenn für einen Noten wichtig sind, wäre es albern, durch den Wald zu laufen, dann ist es sinnvoller zu büffeln. Es kommt halt darauf an, was man will. Meistens weiß man erst nachher, dass man etwas anderes hätte tun sollen. Aber ich glaube, das haben schon die alten Griechen gewusst und die Gondwaner der Zukunft werden, die neuen Griechen werden auch irgendwann darauf kommen.“

Annette Kuhlmann

„Als Pädagogin ist für mich das wichtigste im Leben, dass Menschen ihr Leben lang lernen dürfen, können und müssen. Nur so wird ein gelingendes Leben überhaupt möglich. Seine Lernfähigkeit zeichnet den Menschen aus. Nur so hat er es geschafft eine der wenigen Spezies auf dieser Erde zu sein, die in fast allen Klimazonen anzutreffen ist und dort zumindest eine gewisse Zeit überleben kann ohne einen jahrmillionenlangen evolutionären Anpassungsprozess durchlaufen zu müssen. Möglich macht diese Lernfähigkeit das menschliche Gehirn in Zusammenarbeit mit den Sinnesorganen und dem gesamten Körper und seinem Nervensystem. Damit der Mensch lernen kann, muss er sich Wohlfühlen, man kann dieses Wohlfühlen mit Gesundheit gleichsetzen. Es ist damit aber nicht ein vollkommenes Intaktsein des Körpers gemeint. Körperliche und geistig-seelische Einschränkungen bedeuten allerdings auch immer auch Einschränkungen der (momentanen) Lernfähigkeit. Erstaunlich ist aber auch hier die Fähigkeit des Gehirns Ausfälle in Teilbereichen zu kompensieren. Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung beschreibt in ihrer Veröffentlichung “Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenz- programme in Deutschland” sieben sogenannte Lifeskills: Nach der Weltgesundheitsorganisation ist lebens- kompetent, wer: 1. sich selbst kennt und mag, 2. empathisch ist, 3. kritisch und kreativ denkt, 4. kommunizieren und Beziehungen führen kann, 5. durchdachte Entscheidungen trifft, 6. erfolgreich Probleme löst 7. und Gefühle und Stress bewältigen kann.” Dem kann ich aufgrund meiner nun 44jährigen Lebenserfahrung nur zustimmen. Vielleicht sollte man in unserem Bildungssystem und natürlich in der Politik mal über einen neuen Fächerkanon in der Schule nachdenken, wenn es unser gesellschaftlicher Auftrag ist Kinder zu selbständigem und eigenverantwortlichem Leben zu erziehen und zu bilden.“

Ines Soika, Lehrerin

InesSoika

Wichtig ist die Erdung und was Kinder leben! Der Bezug zu den elementaren Dingen. Das wir diesen tatsächlich beibehalten. Freude, Spielen und das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse.

Miguel, obdachlos

„Wirklich wichtig ist Freiheit. Man muss sich befreien. Ich z.B. bin in einem sehr konservativen Familienumfeld aufgewachsen. Da musste ich mich dann einfach irgendwann befreien. Das ist für mich ganz wichtig gewesen. Ich habe das nicht mehr ausgehalten. Ich glaube, dass viele sich auch befreien sollten.

Aber man muss aufpassen. Manchmal bleibt man bei der Befreiung auch in einer Mauer stecken. … (Pause) Ich glaube, das ist mir passiert. Scheiße.“

Christian Hardinghaus

„Viele Menschen würden diese Frage sicherlich mit „glücklich sein/werden“ beantworten. Ich bin da etwas vorsichtiger und vielleicht genügsamer. Für mich ist es wirklich wichtig, zufrieden zu sein. Das Streben nach Glück kann sehr kräftezehrend sein. Was könnte man sich mehr wünschen, als ein erfülltes Leben zu haben. Zufrieden zu sein mit seinem Job, seiner Familie, seiner Gesundheit?

Um überhaupt zufrieden sein zu können, ist eines ganz wichtig: die Freiheit. Leider ist diese vielen Menschen nicht vergönnt.“

Inhaftierter JA

Wirklich wichtig ist der Frieden. Ich meine, dass es keinen Krieg geben darf, wegen irgendwelcher Sachen. Das Geld nicht das Entscheidende ist auf dieser Welt, dass Familien zusammenhalten, das ist das Wichtigste!

Das mit dem Krieg ist mir klar geworden, da ich einen Freund hatte, der sich umgebracht hat, weil er damals im Krieg in Kurdistan für die PKK war. Der hat schlimme Sachen gesehen. Das hat er mir alles erzählt. Da ist mir das alles richtig klar geworden. Und dann hat er sich deswegen umgebracht, weil er die Bilder nicht verarbeiten konnte.

Ich will dazu bei mir selber anfangen. Ich will nicht darauf warten, dass andere damit anfangen, sondern ich muss selber damit anfangen, damit ich den anderen zeigen kann, wie ich es selber möchte.